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Die Titanen vom Canal du Centre



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Am Canal du Centre stehen das höchste und die schönsten Schiffshebewerke der Welt

Mag sein, daß 30 Jahre Planung und Bauzeit selbst für das größte Schiffshebewerk der Welt lang ist. Aber zwischen Planung und Eröffnung des Ascenseur à bateaux bei Strépy-Thieu hatte sich der belgische Zentralstaat mal eben so in eine lockere Föderation aufgelöst. Das Titanenwerk gelang trotzdem. Seit Sommer 2002 werden die Frachtkähne auf dem Canal du Centre in zwei 122 Meter lange Tröge manövriert, um je nach Fahrtrichtung 73 Meter hoch oder runter gehievt zu werden. Die vier musealen Vorgängerbauten, die seit 1917 den Schiffsverkehr auf dem Kanal ermöglichten, wurden derweil zum Welterbe der UNESCO erklärt.

 

Das höchste Schiffshebewerk der Welt

Keine Viertelstunde dauert das Manöver mit dem ultramodernen Ascenseur à bateaux von Strépy-Thieu, der wie ein kantiges einbetoniertes UFO über der sanften Hügellandschaft zwischen Mons und La Louvière dräut. Früher waren fünf Stunden für die Überwindung des gewaltigen Höhenunterschieds nötig und vier, auf einer Kanallänge von sieben Kilometern hintereinander folgende Schiffshebewerke bewerkstelligten die Aufgabe.

In der 8. Etage des pharaonischen, 300 000 Tonnen schweren Schiffshebewerks schweift der Blick aus der Besuchercaféteria in den mit haushohen, königsblauen Stahlrädern bestückten Maschinensaal. Türkis schimmern dazwischen die Bremshebel. 117 Meter hoch ragt der Bau empor. An den Seiten werden zwei wassergefüllte, gigantische Tröge hoch- und runtergehievt, in denen sich die Lastkähne zuvor zentimetergenau eingefädelt haben. Das Gewicht und die Ladung von umgerechnet 40 Eisenbahnwaggons oder 60 LKWs können auf jeder Seite gestemmt werden.

 

Ein Werk von Napoleons Gnaden

Kein Geringerer als Napoleon veranlasste Anfang des 19. Jh. den Bau des ersten Canal du Centre. Der künstliche Wasserweg zwischen Mons, Charleroi und Brüssel sollte die Flüsse Maas, Sambre und Schelde miteinander verbinden. Nach Napoleons Fall gingen die Arbeiten unter der niederländischen Herrschaft weiter, wurden jedoch erst 1832, und damit vom soeben unabhängig gewordenen belgischen Königreich vollendet. Die Kähne, die damals eingesetzt wurden, waren mit 70 Tonnen Last relativ klein. Tunnel, mit denen die Hügel zwecks Überwindung des Gefälles durchstochen wurden, ermöglichten die Passage. Ein halbes Jahrhundert später wurde eine neue Fahrrine gegraben. Der zweite Canal du Centre verfügte über eine ausreichend breite Fahrrinne, durch die bis zu 300 Tonnen transportierende Kähne passieren konnten. Als Ersatz für die schmalen Tunnel entstanden zwischen 1888 und 1917 vier Schiffshebewerke: Endlich waren auch die Kohlegruben von Lüttich an das europäische Wasserstraßennetz angebunden.

 

Jules Verne lässt grüßen

Die vier Wunderwerke aus der Blütezeit der industriellen Revolution stehen seit 1998 auf der UNESCO-Liste des Welterbes. Von Houdeng-Goegnis führt der alte Treidelpfad längs des Kanals zum Ascenseur N° 1. Filigran spreizt das graublau gestrichene Bauwerk seine Stahlbeine über den Kanal, zum Staunen der Freizeitkapitäne, die mit dem Hausboot vorfahren. Errichtet wurde das nur von Wasserkraft betriebene Schiffshebewerk mit ziegelsteinroten Anbauten nach einem britischen Model. Mehr dazu erfährt man in der Ausstellung „Die phantastische Maschine des Ingenieurs Clark“, die im Ascenseur N° 1 gezeigt wird. Das zauberhafte Ensemble erinnert mit seiner Stahlkonstruktion aus den Pioniertagen der Ingenieurskunst und den kathedralartigen Ziegelsteinbauten an die technischen Wunderwerke aus einem Jules Verne-Roman.

 

Zu den erhaltenen historischen Anlagen des Canal du Centre gehören zudem eine Schleuse an der Abzweigung zwischen der schmalen Fahrrinne des ersten Kanals und der zweiten, wesentlich breiteren. Auch ein alter Kanaltunnel blieb bei Godarville erhalten: ein dicker Ziegelschlot im Wald, mit dem der Kanal belüftet wurde, verrät das Bauwerk tief im Boden. Wie die drei anderen UNESCO-geschützten Ascenseurs sind die Relikte des Industriellen Zeitalters längst mit der bukolischen Landschaft links und rechts der Ufer verschmolzen - und zur Touristenattraktion geworden.

 

Besichtigungen und Bootsfahrten auf dem alten Canal du Centre und dem modernen Hebewerk in Strépy-Thieu kann man buchen bei:

Voies d’Eau du Hainaut, Rue des Clercs 31, B-7000 Mons

Tel.: 0032 (0)65 36 04 64

Web: Schiffshebewerke im Hennegau (FR/NL/EN/DT)

Mail: info.voiesdeau@hainaut.be