Unsere Website für
Ihr Land
FacebookTwitterYoutubepinterestRss

Die Links überspringen
Königliche Gärten
© OPT / J. Jeanmart
Star Chocolatier
© OPT / Ricardo de la Riva / © OPT / Ricardo de la Riva / © OPT / J. Jeanmart
Schloss Beloeil
©OPT / Visual News
Schiffshebewerke
© OPT / J.P. Remy
Königreich für Sammler
© OPT / J.P. Rémy
Georges Simenon
© www.walloniedesecrivains.be
Gott in der Brauerei
© OPT / Ricardo de la Riva

Ein Königreich für Sammler

 


© Office de tourisme /J. Flament / © OPT/J.P Remy / © OPT/J.P Remy /

 

Ein nächtlicher Besuch auf dem größten Trödelmarkt des Landes, dem „Brocante de Temploux“

Vom Elefantenfuß als Schirmständer über die echte Kinderpuppe aus dem Barock bis hin zum original Nierentisch – auf einem belgischen Flohmarkt gibt es nichts, was es nicht gibt. Wo man in Deutschland mehr Ramsch aus den letzten Jahren und Billigwaren aus China findet, werden hier noch Schätze gesucht und gefunden. Die Schatzjäger kommen aus ganz Europa, denn in Belgien wird der Flohmarkt noch gelebt!

Ihre Wangen sind leicht gerötet, ihre Augen tiefblau, ihr Haar blond und lockig, ihr Spitzenkleid ein Gedicht. Sie ist eine käufliche Schönheit. Doch wer sie begehrt, muss tief in die Tasche greifen, handelt es sich doch um eine Puppe des französischen Herstellers Kru aus dem 19. Jh. Solche Sammlerstücke und Etliches mehr findet man auf dem „Brocante de Temploux.

Es ist Nacht und die Stromaggregate summen. Bringen Lampen und Strahler an Marktständen zum Leuchten. Lichtkegel von Taschenlampen – der gewitzte Nachtschwärmer unter den Marktbesuchern hat seine Stirnlampe dabei - streifen über Modellautos, Comic-Hefte, Puppengesichter und rostiges Werkzeug von anno dazumal. Die Mitternachts-Kirchenglocke ist noch nicht ganz verhallt, da kracht es und funkelt am Himmel: Punkt zwölf wird hinterm Friedhof des kleinen belgischen Ortes Halbzeit signalisiert - pyromanisch mit einem Feuerwerk. Der Straßenmarkt geht die ganze Nacht hindurch.

 

Wie aus Belgien ein Flohmarktland wurde

Belgien ist das Flohmarktland number one. Die Wurzeln liegen in der wirtschaftlichen Entwicklung des Königreichs. Durch die Industrialisierung, die aus England herüber schwappend auf dem europäischen Festland zuerst in Belgien einsetzte, erlangte der kleine Staat einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Zudem schöpfte er in seiner Kolonie, Belgisch-Kongo, enorme Reichtümer ab. Offene Märkte gegenüber anderen Ländern sorgten in den 40/50er Jahren für einen nicht abreißenden Einfuhrstrom; der Kauflust waren kaum Grenzen gesetzt. Damals war Belgien Europas reichstes Land.

Doch als der Kongo 1960 unabhängig wurde und der Goldstrom versiegte und die Stahlkrise der 1970/80er Jahre die Nation schwer traf, bahnte sich eine katastrophale ökonomische Krise an.

Die hohe Inflation verteuerte Neuwaren enorm, der Kauflaune war ein jähes Ende bereitet, aber nur temporär. Denn seit 1979 ermöglicht ein Erlass auch Privatleuten, Gegenstände auf Märkten zu verkaufen. Speicher wurden entrümpelt, Gebrauchtes zusammengetragen und überall im Lande preisgünstig auf Trödelmärkten verkauft. Händler aus den umliegenden Ländern fanden sich ein und bereicherten die Märkte mit ihren Waren, es entwickelte sich eine rege Flohmarktkultur, die bis heute anhält.

 

Auch aus Deutschland kommen Trödelliebhaber

Peter Mennen aus dem deutschen Meerbusch und ein Kollege stehen die lange Nacht an ihrem Stand mit viel Kaffee und in Schichten durch. Um sie herum stapeln sich „antike“ Lederkoffer, Überseetruhen und Hutschachteln. Der Tropenhelm, Reiseflachmann, Feldstecher und Ledergamaschen sind auch dabei, alles aus Zeiten, als Reisen noch abenteuerlich war. Daneben finden sich Cricket- und Lacrosseschläger, Schuhe diverser Sportarten, die Angelroute aus Bambus, Baseballhandschuh, Boule- und Bocciakugeln und jede Menge polierte Pokale, um nur einige Beispiele zu nennen. Die nostalgischen Utensilien antiker Reise- und Sportkultur hat man auf zahlreichen Reisen durch die ganze Welt zusammengetragen.

„Wir bemühen uns, ein hohes Niveau zu halten, Stände mit neuem Ramsch sehen wir hier nicht gern“, erklärt Stéphane Poucet, einer der Organisatoren. „Wir erwarten 150.000 Besucher. Jeder kann an den 1.500 Ständen nach dem lang gesuchten Sammlerstück stöbern. Und für das leibliche Wohl wird an zahlreichen Ständen gesorgt.“

Wer diesen Sammler- und Antikmarkt besuchen will, sollte gut zu Fuß sein, erstreckt er sich doch über etliche Kilometer. Bereits die Zufahrtstraßen sind tagsüber kilometerlang dicht an dicht von Autos gesäumt. In Temploux findet einmal im Jahr der größte belgische Markt dieser Art statt!

Am nächsten Tag ist die französische Schönheit verkauft. Der Preis bleibt geheim, nur soviel ist klar: Der glückliche Sammler hätte für das Geld auch einen gebrauchten Kleinwagen bekommen. Doch natürlich ist hier nicht alles so teuer, und das eine oder andere Schnäppchen macht man hier auch.

 

 

Der Trödelmarkt von Temploux: 20. August (ab 7 Uhr) bis 21. August 2011 (18 Uhr). Temploux liegt knapp 10 Kilometer westlich von Namur und 60 Kilometer südlich von Brüssel.

Web: Trödelmarkt Temploux (FR/NL/EN/DE)

Kontakt: A.S.B.L. Brocante Temploux, Salle Saint-Hilaire, Place du 150è Anniversaire (rue Lieutenant-Colonel Maniette 5), 5020 Temploux

Tel.: +32 (0)81 56 73 17

Fax: +32 (0)81 56 03 74

Mail: brocante@temploux.be