Unsere Website für
Ihr Land
FacebookTwitterYoutubepinterestRss

Die Links überspringen
Königliche Gärten
© OPT / J. Jeanmart
Star Chocolatier
© OPT / Ricardo de la Riva / © OPT / Ricardo de la Riva / © OPT / J. Jeanmart
Schloss Beloeil
©OPT / Visual News
Schiffshebewerke
© OPT / J.P. Remy
Königreich für Sammler
© OPT / J.P. Rémy
Georges Simenon
© www.walloniedesecrivains.be
Gott in der Brauerei
© OPT / Ricardo de la Riva

Eine Stadt aus Glas und Stahl

 


© OPT/Xavier Claes / © OPT/J.P Remy / © OPT/Alex. Kouprianoff /

 

Die Königlichen Gewächshäuser in Brüssel sind Zeugnis für höchste Gartenkunst und Größenwahn eines belgischen Königs

»Minarette« aus Eisen, Paläste und eine Kirche aus Glas und Stahl, eine gläserne Stadt am Rand von Brüssel. Shopping läuft hier nicht, vielmehr ist die Glasstadt eine immergrüne Wellness-Oase, in der es nur so duftet und blüht. Fast das ganze Jahr über ist sie dem belgischen Königshaus vorbehalten. Eingebettet in eine Parkidylle aus prächtigen Bäumen, perfekt gestutzten Hecken und Rasengrün, funkeln sie im Sonnenlicht wie ein monumentaler Kristall – die Königlichen Gewächshäuser.

Schloss Laeken, in dem das Kronprinzenpaar wohnt, ist direkt über Galerien damit verbunden, der Zugang ungestört. Doch einmal im Jahr herrscht hier Ausnahmezustand. Dann darf für drei Wochen auch das Volk unter den gläsernen Kuppeldächern lustwandeln und sich der exotischen Blütenpracht erfreuen. König Leopold II. hatte das so gewollt.

 

Reichtum und Größenwahn

Der Fürst, seinerzeit einer der reichsten Monarchen, besaß den Kongo als Privatbesitz. Das Land, 77-mal so groß wie Belgien und reich an Naturschätzen, ließ er brutal ausbeuten. Er liebte große Architektur und Pflanzen, ein Mammutgewächshaus käme ihm da nur zupass. Also ließ er es 1873 von seinem Hofarchitekten, Alphonse Balat, bauen. Das Resultat war ein Meisterwerk, das es mühelos mit dem Londoner Crystal Palast aufnehmen konnte. Obschon, irgendwie war sich der König seiner Sache auch nicht ganz sicher. „Bauen wir etwas Pittoreskes oder Architektur?“ hat er Balat einmal gefragt.

Früher kamen die Kutschen der Gäste in der Embarcadère an. Sie sollte sogar eine Art U-Bahn mit Anschluss zum später zu bauenden Bahnhof bekommen. Heute betritt man die gläserne Stadt durch die Orangerie. Prächtige Pomeranzen, Mandarinen- und Lorbeerbäume stehen dort an den Wänden Spalier. Manche haben schon über 200 Jahre unter der Rinde. Und dann die Kamelien! Die Laekener Sammlung ist eine der ältesten und bedeutendsten der Welt.

 

Wegweiser des Jugendstils

Im Wintergarten, einer 25 m hohen Käseglocke mit einem Skelett aus 651 Tonnen Eisen, spenden Fächerpalmen hoch oben unter dem Dom Schatten, unten assistiert von Bananenstauden und kleineren Palmenarten, manche weit über 100 Jahre alt. Baumfarne mit Blattstielen wie Bischofstäbe entrollen ihre Wedel, Orchideen bevölkern Felsenwände. 1880, bei der feierlichen Eröffnung, war Balats Glashaus eine Sensation. Seine architektonische Konzeption war spektakulär und wegweisend für den Jugendstil. Kein Geringerer als Victor Horta, dessen Jugendstilbauten später Brüssel geprägt haben, war Balats Lehrling gewesen.

Der König kümmerte sich persönlich um die Arbeiten und lernte dabei viele Arbeiter kennen. Als alles angepflanzt war, landete er einen Überraschungscoup: Er veranstaltete für seine Arbeiter, die nichts davon ahnten, auf der Baustelle ein großes Fest und bewirtete sie königlich. Als er abends erstmalig die elektrische Beleuchtung einschalten ließ, wurde der Wintergarten in ein mystisches Licht getaucht. Wer heute die gläserne Stadt in den Abendstunden besucht, kann diese Atmosphäre nachempfinden.

 

Kommt der König nicht zum Kongo, kommt der Kongo zum König

Leopold II., der selbst nie den Kongo betreten hat, wollte die Flora seines Afro-Besitzes in einem besonderen Kongo-Gewächshaus präsentieren.Das von fünf Kuppeln gekrönte Glashaus ist ein Gedicht. Allein, die tropischen Pflanzen spielen nicht mit. Subtropisches geht aber. Und so trifft man hier jetzt australische Palmen, Farne und hübsche Blumen an, eingebettet in einen Samtteppich aus Moosfarn, der auf den wohlklingenden Namen Selaginella hört.

60.000 Pflanzen zu umsorgen braucht Feingefühl. Bei zu viel Sonnenstrahlung hat man die Fenster weiß gestrichen und den Anstrich vor dem Winter wieder entfernt. Übel ist auch Frost. War dieser besonders stark, stand der König nachts auf, um die Temperatur im Haus seiner Lieblingspflanzen, der Kamelien, selbst zu kontrollieren.

 

Ein schöner Ort zum Sterben

Teils unterirdisch verlaufende, überglaste Galerien mit Hirschgeweihfarnen wie Trophäen und blühenden Fuchsien, die Blumentunnel bilden, führen zum nördlichen Gewächshauskomplex mit den Häusern für Azaleen und Palmen. Leopold II. verbrachte die letzten Lebensjahre dort im Palmenpavillon, wo er 1909 verstarb. Nebenan befindet sich die eiserne Kirche. Sie war bis 1902 Gotteshaus. Von den »Minaretten« wird jedoch nie ein Gebetsruf erschallen, handelt es sich doch bei den eisernen Türmen um die verschönerten Schornsteine der Heizungsanlage.

 

Die königlichen Gewächshäuser sind 2011 vom 16. April bis 8. Mai für die Öffentlichkeit zugänglich.

Web:  Weitere Informationen (FR/NL/EN/DE)

Weitere Infos erhält man über das Brüsseler Verkehrsamt:

Brussels Info Place (BIP), Rue Royale 2, B-1000 Brüssel

Tel. 0032 (0)2 513 89 40

Mail tourism@brusselsinternational.be

Web: Brussels International

Kontakt: Martha Meeze, Tel. 0032 (0)2 549 5093, Mail m.meeze@brusselsinternational.be