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Factsheet Design in Brüssel

 

Ein Jahrhundert Design

Um 1900 war Brüssel eine Metropole des europäischen Jugendstils, der in Belgien Art Nouveau heißt. Viertel wie St-Gilles oder Ixelles wirken dank kompletter Jugendstilstraßenzüge wie Open Air-Museen der künstlerischen Bewegung. Ungefähr von 1920-1940 folgte die Glanzzeit des strengeren, auf abstrakte Muster sowie geometrische Linien bauenden Art Déco. Victor Horta, der führende Architekt des belgischen Jugendstils, schlug am Ende seiner Karriere mit dem Zentralbahnhof den Bogen zwischen beiden Stilen. Sein Mitstreiter Henry Van der Velde, Gründer der Architektur- und Kunsthochschule La Cambre, war Mitbegründer der Weimarer Kunstgewerbeschule, aus der das Bauhaus hervorging.

Das Atomium, eine Designikone des 20. Jahrhunderts, steht für den Zukunftsoptimismus der Nachkriegsjahrzehnte. Als Brüsseler Wahrzeichen leuchtet es nach der Totalsanierung wieder wie zur Weltausstellung 1958, wozu auch die vom Münchner Lichtkünstler Ingo Maurer konzipierte Innenausleuchtung beiträgt.


© OPT/J.P Remy / © OPT/J.P Remy / © OPT/J.P Remy /

 

Brüssels Designeravantgarde

Hierzulande ist der zwischen Brüssel und Miami pendelnde Konzeptkünstler Arne Quinze eher wegen seiner Heirat mit Barbara Becker bekannt. In Brüssel aber ist Quinze ein Star, der Plätze und Räume mit Großskulpturen möbliert. The Sequence, eine Installation aus Tausenden roter Holzlatten, senkt sich wie ein Ufo über die Rue Louvain. Auf Innenräume konzentriert sich hingegen Michel Pennemann, dessen Entwürfe die klassische Kuckucksuhr oder den Kronleuchter fürs 21. Jahrhundert interpretieren. Coole Hightech-Möbel sind die Sache von Xavier Lust: Seine minimalistische Sitzbank Le Banc kann man an Brüsseler Bushaltestellen bewundern. Midi Station heißt das jüngste Werk von Antoine Pinto, mit dem der Designer und Künstler ein neues Konzept vorstellt. Kein Restaurant, sondern ein 2000 qm großer Komplex, der Frühstückscafé, Brasserie und Club unter einem bis ins letzte Detail durchdesignten Dach vereint. Elegante Objekte für belgische Nobelmarken kreiert Charles Kaisin: eine Handtasche für Delvaux, Pralinés für Marcolini, eine Kristallvase für Val St-Lambert.

 

Design-Hotels und -Restaurants

Designhotels locken eine hippe, internationale Klientel in die Stadt. Einige Hotels laden junge belgische Designer oder europäische Kunststudenten dazu ein, die Zimmer individuell zu gestalten, so etwa das White Hotel oder das Bloom! Für Brüssel typisch ist die gewagte Mischung aus prunkvollen alten Interieurs und avantgardistischem Minimalismus.

Viele Restaurants ziehen nach. Im Kwint strebt eine goldmetallische Skulptur von Arne Quinze zum Ziegelgewölbe empor. Der Coup, Kunst und Kulinarisches unter ein Konzept zu bringen, gelingt auch in der neuen Brasserie des Palais des Beaux Arts. Designstühle von Arne Jacobsen und Art Déco-Deckenfluter passen sich der nüchtern eleganten Architektur des 1928 eröffneten Museumsbaus an.

 

Designerplattformen

Das Forum Designed in Brussels steht hinter der Idee, junge Designer mit der Industrie zusammenzubringen. Es vereinigt Innenarchitekten, Möbel- und Objektdesigner. Die so entstandene Designerplattform wird vom belgischen Wirtschaftsministerium unterstützt und vergibt den Preis junger Nachwuchsdesigner. Das wichtigste Event im Herbst aber ist der Design September. Die coole Leistungsschau belgischen Designs findet an hundert außergewöhnlichen Orten in Brüssel statt, darunter Hotels, Restaurants, Fabrikhallen. Zum Programm zählen Werkschauen, Performances und Atelierbesuche. Alle zwei Jahre kommt im Oktober die Jugendstil-Biennale hinzu. Zu den Höhepunkten gehören Besichtigungen von Wohnhäusern oder Geschäften, die normalerweise nicht zugänglich sind.

 

Mode aus Brüssel

Wer in Brüssel Design sagt, muss auch Mode sagen. Der Austausch zwischen beiden Kreativsparten ist stark. An der Kunstfachhochschule La Cambre werden Studiengänge sowohl für Design als auch für Mode angeboten. Läden und Ateliers beider Disziplinen liegen wie in der Rue Dansaert oft im selben Viertel. Dass sich Brüssel mit  Modemetropolen wie Antwerpen, Paris oder Mailand längst messen kann, ist unter Fashion Victims ein offenes Geheimnis.