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Factsheet Jugendstil und Art Déco

 

Hauptstadt des Europäischen Jugendstils

Mit dem Maison Tassel schenkte Victor Horta 1893 der Welt den ersten Jugendstilbau. Zwanzig Jahre lang behauptete sich Brüssel als architektonische Hauptstadt der in Belgien Art Nouveau genannten Stilrichtung. Der Bauboom betraf vor allem schicke Viertel wie Ixelles und St-Gilles, wo betuchte Freiberufler und Künstler wohnten. Organische Formen, florales Dekor und lichte Innenräume sind die Merkmale des Brüsseler Art Nouveau. Über 350 Häuser so zart wie Blütenkelche und zugleich aus Stahl und Glas blieben erhalten.

Ein spektakulärer Bau schloss 1914 die Blütezeit ab. Mit dem Palais Stoclet entstand kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein architektonischer Meilenstein, der in seiner Strenge bereits zum Art Déco überleitet. Ungefähr ab 1920 ist der neue, sachlichere und geometrische Linien betonende Stil etabliert und prägt für weitere zwanzig Jahre die Brüsseler Architektur.


© OPT / JP. Remy / OT. Liege / Marc. Verpoorten / © OPT / JP . Remy /

 

Vordenker des Jugendstils

Leicht und wie aus einem botanischen Lehrbuch gezaubert wirken die besten Entwürfe von Victor Horta (1861-1947). Es sind Häuser, die grazil wie eine Pflanze emporwachsen. Aus dem zentralen Treppenhaus erwächst ein lichter Raum, der alle Stockwerke durchzieht. Kühn wölben sich Fassaden, Fenster- und Türrahmen. Als unverbesserlicher Individualist entwarf der geniale Architekt alle Details für jedes Haus neu: Türklinken, Heizungskörper, Vertäfelungen, Bodenfliesen, selbst das Mobiliar bilden ein Gesamtkunstwerk mit unverkennbarer Handschrift. Horta war auf der Höhe des Art Nouveau ein viel beschäftigter Mann. Allein 1898 betreute der Architekt siebzehn Baustellen in Brüssel. Sein Wohn- und Atelierhaus in Rue Américaine 25 blieb original erhalten und wird als Museum Horta geführt.

 

Prunkbau des Art Déco

Die Wohnfläche der Villa Empain ist überwältigend: 2800 Quadratmeter dürften selbst für Louis Empain, den damals reichsten Junggesellen Belgiens mehr Platz als genug gewesen sein. Durch das monumentale Glasdach des Atriums fällt milchig weißes Licht in den bahnhofshallengroßen Raum. Der junge Baron hat die Villa nur drei Jahre nach der Einweihung dem belgischen Staat geschenkt. Kein Geringerer als der Designer und Architekt Henry van der Velde hat Louis Empain überzeugt, das grandiose Anwesen 1937 dem Staat anzuvertrauen. Unter einer Bedingung allerdings: Der mit poliertem grauen Granit verkleidete Bau, dessen strenge geometrische Architektur an Fensterlaibungen und Hausecken durch blattvergoldete Messingbänder betont wird, sollte als Musée des Arts Décoratifs genutzt werden. Der Zweite Weltkrieg machte den Plan zunichte. 2006 kam die Villa Empain schließlich in den Besitz der Stiftung Boghossian, die sie für einen zweistelligen Millionenbetrag originalgetreu restaurieren und in ein Kulturinstitut umwandeln ließ. Womit der neben dem Palais Stoclet bedeutendste Art Déco-Bau Brüssels wieder für Besucher zugänglich ist.

 

Museen im Jugendstil-Gewand

Einige Paradebauten des Art Nouveau beherbergen heute Museen, so wie das von Victor Horta erbaute Hôtel Autrique. Hundert Jahre drohte das Herrenhaus zur Ruine zu verkommen, bis der Comic-Künstler Francois Schuiten sich für die Rettung einsetzte. Heute finden hier regelmäßig Comic-Ausstellungen statt. Auch für das ehemalige Kaufhaus Waucquez zeichnete sich Horta verantwortlich. Und wieder bedeuteten Comics die Rettung: Als Centre Belgede la Bande Dessinée, Comic-Museum, zieht der zauberhafte Bau erneut Besucherscharen an – die dazugehörige Brasserie verblüfft wie der ganze Bau mit stilgerechtem Interieur.  Filigran und verspielt kommt das ehemalige Textilkaufhaus Old England daher: Hinter der Stahl-Glas-Konstruktion verbirgt sich das Musée des Instruments de Musiquemit einer Sammlung von 1500 Musikinstrumenten.