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Das Leben in rosarot – Schloss Beloeil und der Prince de Ligne

Der „liebenswürdigste Mensch Europas“, wie ihn sein Zeitgenosse Voltaire einmal nannte, ist hier zu Hause gewesen, im Schloss Beloeil, das sich schon auf den ersten Blick als Wohnsitz eines Kosmopoliten verrät: Es ist im klassischen französischen Stil errichtet und wird sowohl gerahmt von einem ausgedehnten Barockgarten wie von einem englischen Landschaftspark, der gleich nach seiner Entstehung im späten 18. Jahrhundert eine europäische Sehenswürdigkeit wurde. Genauso wie sein Schöpfer, der famose Prince de Ligne. Hausbesuch bei einem legendären Bonvivant des Rokoko-Zeitalters mit einer Schwäche für die Farbe Rosa.

 

Ein vollendeter Charmeur

Vollendeter Stil lässt sich natürlich in verschiedenen Formen äußern. Nicht die schlechteste ist es gewiss, wenn dies im Umgang mit anderen Menschen geschieht, mittels Charme und Großzügigkeit, Humor und Unterhaltsamkeit. Indem man angenehme Gesellschaft bietet. Mag man normalerweise auch eher mit gewonnenen Schlachten oder mit erlassenen Gesetzen in die Geschichtsbücher eingehen als mit guter Lebensart, so gibt es doch immerhin eine große, köstliche Ausnahme: Der Fürst Charles-Joseph de Ligne, der aus dem Hennegau stammte und sich in der ganzen Welt zu Hause fühlte, auf Schloss Beloeil jedoch wirklich zu Hause war, wo er seine Kindheit und Jugend und auch noch einen guten Teil seines späteren Lebens verbrachte. Er ist als Charmeur eine europäische Berühmtheit geworden.

Und dies nicht nur in seiner Zeit, dem eleganten, vergnügungssüchtigen Rokoko, er ist dies bis heute geblieben. Weil er mit all den anderen schillernden Figuren der Epoche befreundet war, mit Marie-Antoinette wie mit Zarin Katharina II., mit Voltaire wie mit Casanova, mit Fürst Potemkin wie mit Rousseau, ist er in eine Menge Geschichtsbücher eingegangen. Aber der Prince de Ligne (1735-1814) ist nicht nur in Büchern lebendig geblieben. Man kann ihn noch heute zu Hause besuchen. Man kann gleichsam, in den immer noch wie ehedem eingerichteten Salons und Appartements von Schloss Beloeil, durch seine rosarote Welt spazieren, entlang zahlreicher Souvenirs seines Lebens. Wie etwa dem zusammenklappbaren Schreibtisch, den Friedrich der Große für diesen unentwegt reisenden und schreibenden Weltmann anfertigen ließ. Dass dies noch immer möglich ist, dass dieser persönlichste Teil seiner Welt nicht längst unterging, ist nicht zuletzt seinen vollendeten Umgangsformen zu verdanken.

 

Das Gebetbuch Marie-Antoinettes und ein flammendes Inferno

Denn als das große, aber auch abgelegene Schloss eines Tages hellauf in Flammen stand und all sein Inventar zu verbrennen drohte, da kamen die Bauern aus der ganzen Gegend hergelaufen, um die Kostbarkeiten zu retten. Nicht ein einziges kleines Bändchen aus der berühmten Bibliothek des Prinzen ging damals verloren. Obwohl solche Raritäten zu ihr gehören wie das persönliche Gebetbuch Marie-Antoinettes. Es wurde ihr einmal von Ludwig XV. geschenkt und sie hat es bis zu ihrer Hinrichtung bei sich getragen. Nun steht es noch immer unter den anderen, allesamt in rotem Maroquin-Leder gebundenen und mit seinem Wappen geschmückten Büchern aus dem 18. Jahrhundert – es sind mehrere Tausend –, über die der Besucher staunend seine Augen streifen lässt. Nur durch den selbstlosen Einsatz all der einfachen Leute aus der Nachbarschaft wurden sie damals, im Jahre 1906, vor den Flammen gerettet. Man hat nicht einen Moment mit der Hilfe gezögert. Denn obwohl der Prince de Ligne damals schon lange tot war, blieb sein legendäre Liebenswürdigkeit hier unvergessen, weil sie eben nicht nur Fürsten und Zelebritäten galt, sondern, wie bei einem wahren Mann von Welt, auch dem geringsten seiner Untertanen.

 

Eine rosafarbene Kutsche und ein rosafarbenes Gemüt

Für diese hat der lebenslustige, allzeit zu einem Späßchen, zu einem geistreichen Bonmot aufgelegte Prinz sogar denkwürdige Maskenbälle im Schlossgarten ausgerichtet. Tausende sind damals hier vor seinen Augen umhergetollt. Ganz zurecht hat sich der nicht nur große, sondern auch ebenso strenge wie prunkvolle Barockgarten den Ehrentitel eines „belgischen Versailles“ erworben; in den letzten Jahren ist er mit viel Sorgfalt wieder in seine ursprüngliche Gestalt versetzt worden. Seine eigentliche Liebe aber galt dem englischen Landschaftsgarten auf der anderen Seite des Schlosses, den er selbst entworfen hat. Als er diesen Garten, ganz Beloeil schließlich in seiner - natürlich rosafarbenen – Kutsche verlassen musste, von Napoleons Truppen vertrieben, hat sich sogar das sonst stets „rosafarbene Gemüt“ des Bonvivant verdunkelt, für das der in allen Salons zwischen Paris und St. Petersburg geliebt wurde. Die glücklichen, sorglosen Zeiten des Rokoko waren nun endgültig vorbei. Wenn man aber noch einen Hauch von ihnen spüren will, dann sollte man Schloss Beloeil besuchen. Und den liebenswürdigsten Menschen des Alten Europa.

 

Château de Beloeil, Rue du Château 11, B-7970 Beloeil

Tel.: 0032 (0)69 68 94 26

Mail info@chateaudebeloeil.com

Web: Schloss Beloeil (FR/NL/EN)