Unsere Website für
Ihr Land
FacebookTwitterYoutubepinterestRss

Die Links überspringen
Königliche Gärten
© OPT / J. Jeanmart
Star Chocolatier
© OPT / Ricardo de la Riva / © OPT / Ricardo de la Riva / © OPT / J. Jeanmart
Schloss Beloeil
©OPT / Visual News
Schiffshebewerke
© OPT / J.P. Remy
Königreich für Sammler
© OPT / J.P. Rémy
Georges Simenon
© www.walloniedesecrivains.be
Gott in der Brauerei
© OPT / Ricardo de la Riva

Süchtig nach Frauen und Literatur

 


© www.walloniedesecrivains.be

 

Die Wurzeln des Rekordschriftstellers Georges Simenon liegen in Lüttich

Mit dem Nachtzug nach Paris im Dezember 1922 beginnt Georges Simenons Karriere. Er sollte zum meistgelesenen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts avancieren und als Frauenheld unter anderem Josephine Baker erobern. Das Fundament für Simenons enormes Werk und sein ausschweifendes Leben liegt in seiner Heimatstadt Lüttich. Hier entdeckte er als Lokalreporter sein Talent zum Schreiben, hier lernte er das Bohème-Leben kennen. Vor allem Outremeuse, dem Quartier der kleinen Leute jenseits der Maas, hat ihn inspiriert.

 

Der produktivste Autor des 20. Jahhunderts

Als Georges Simenon am 4. September 1989 im Alter von 86 Jahren in Lausanne stirbt, hat er rund 400 Romane geschrieben, teils unter verschiedenen Pseudonymen, außerdem Erzählungen und Essays. Der produktivste Autor des 20. Jahrhunderts lieferte bis zu 80 druckreife Seiten pro Tag ab. Für keinen seiner Romane hat er länger als elf Tage gebraucht. Am berühmtesten machten ihn seine Maigret-Romane, die sogar in Japan verfilmt wurden. Simenons Werk ist in rund 60 Sprachen übersetzt, auch auf Finnisch, Chinesisch oder Isländisch, und weltweit mehr als 500 Millionen Mal verkauft worden. André Gide, Henry Miller, Jean Renoir, Alfred Andersch oder Patricia Highsmith gehörten zu seinen Fans.

Mit 19 nimmt Georges Simenon den Nachtzug von Lüttich nach Paris, um sich ins pralle Leben der wilden Zwanziger zu stürzen. Er schreibt täglich Seite um Seite, und schließlich kauft ihm Colette eine Kurzgeschichte für die Pariser Tageszeitung „Matin“ ab. Simenon hat es geschafft. In seine  Heimat Lüttich kehrt er noch einmal zurück, um die Malerin Tigy zu heiraten und nach Paris zu holen.

 

Ein frühreifer Bursche aus Lüttich-Outremeuse

Doch Simenons literarische Wurzeln liegen in Lüttich, wo er 1903 geboren wurde. „Es stimmt, ich habe in andere Städte immer auch Erinnerungen an Lüttich einfließen lassen“, schreibt er. Von den Bildern, den Geräuschen, der Atmosphäre der florienden Industriestadt Lüttich zehrt er später bei der Schilderung seiner Romanschauplätze. Der kleine Georges ist zwei Jahre alt, als seine Eltern Desiré und Henriette mit ihm in das Quartier jenseits der Maas ziehen. In Outremeuse wächst er zu einem frühreifen Burschen heran, ist Messdiener und beginnt wie ein Besessener zu lesen. Er versucht sich an Jobs wie Buchhändler und Konditor, bis er sein Talent zum Schreiben entdeckt und bei der „Gazette de Liège“ als Lokalreporter anfängt. Es dauert nicht lange, da veröffentlicht Simenon seinen ersten Roman, „Au Pont des Arches“. Der Titel ist Lüttichs ältester Brücke gewidmet, die Outremeuse mit dem gutbürgerlichen Zentrum verbindet.

 

Zehntausend Frauen und Josephine Baker

An der Place du Congrès in Outremeuse ist Kommissar Maigret als Büste verewigt, mit Trench, Hut und Pfeife – die aber immer wieder abgebrochen wurde. Von der Pfeife mal abgesehen, hat Simenon mit seiner berühmten Romanfigur zwar so gut wie nichts gemeinsam. Der besonnene, unerschütterliche Maigret kehrt allabendlich zu Madame Maigret zurück, schlüpft in seine Pantoffeln und liest die Zeitung. Der psychisch labile Simenon, von einem geradezu unstillbaren Verlangen nach Frauen getrieben, betrügt jede seiner Ehefrauen am laufenden Band. Gegenüber Frederico Fellini behauptet er einmal, über zehntausend Frauen gehabt zu haben. Seine schillerndste Eroberung ist Josephine Baker, in den Zwanzigern Paris' Revuestar Nummer eins, über die er schreibt, sie besitze „den einzigen Popo, der lacht“.

 

Der Rausch im Heringsfass

Und doch lässt sich in einigen Maigret-Romanen Autobiografisches finden. In „Der Gehängte von Saint-Pholien“ oder „Maigret und der Spion“, die beide in Lüttich spielen, tauchen Figuren auf, die dem jungen Simenon ähneln: Junge Männer aus anständigem Haus, die sich einen ungesunden Lebensstil angewöhnen und sich in Nachtclubs wie dem „Gai-Moulin“ herumtreiben. In „Der Gehängte von Saint-Pholien“ nimmt Simenon sogar eine Begebenheit auf, die 1922 in Lüttich für Aufsehen sorgt: Der junge Künstler Joseph Kleine erhängt sich schwer betrunken am Türklopfer der Kirche an der Place d'Yser in Outremeuse. Die Nacht davor hat Simenon noch mit Kleine in dem Künstlerclub „La Caque“, dem „Heringsfass“, verbracht, wo man berauscht François Villon rezitiert.

Es sind wohl solche Erlebnisse, die Simenon nach Jahren seines bewegten Lebens in Frankreich, den USA und in der Schweiz zu der Überzeugung brachten: „Mit siebzig handele, denke und verhalte ich mich wie das Kind von Outremeuse.“

 

Stadtführungen zum Thema Simenon und Lüttich kann man beim Office du Tourisme Lüttich buchen:

Féronstrée 92, B-4000 Lüttich

Tel.: 0032 (0)4 221 92 21

Mail office.tourisme@liege.be

Web: Tourismusamt Lüttich